weisegedanken
Gedicht

An den Mai

Gustav Falke

Schäm dich Gesell! Kein Sonnenschein? Und du stellst dich als Mai hier ein? Du bist der rechte Tröster nicht! Wer mag dein garstig Angesicht Noch länger sehn? Geh reisen! Schon reift dein Bruder uns heran, Der Juni, der wird unser Mann, Und wird sich hold erweisen. Sieh da! Ein blanker Sonnenstrahl! So bist du doch nicht ganz entherzt Und lächelst auch einmal? Doch lieber Freund, es ist verscherzt! Das ist kein Mai, der sich bedenkt Und tropfenweise sich verschenkt, Ein Mai muß aus dem Vollen fließen, Wir müssen ihn wie Wein genießen Und wie in seligem Rausche sein, Pack ein!Gustav Falke (1853 - 1916), deutscher Lyriker und Kinderbuchautor