weisegedanken
Gedicht

Derweil du mich verlassen hast

Hans von Hopfen

Derweil du mich verlassen hast, Verließ mich auch der Schlummer; Unrast war mein beständ'ger Gast, Mein Bettgenoß der Kummer. Ich glaub' auch du hast viel geweint, Dein Auge sah ich glänzen; Nun bist du ruhig wie es scheint, Und fährst zu Spiel und Tänzen. Da stellt' ich mich ans Treppenhaus Ins gaffende Gedränge; Ein Wagen hielt, du stiegst heraus, Und Lob ging durch die Menge. Wie schien dein Putz zum Hohn mir gar! Anstatt der Myrtenkrone, Die einst ich träumt', umfing dein Haar Ein Kranz von rotem Mohne. Die Blumen der Vergessenheit Trugst du mit Lachen und Scherzen, Da dacht' ich der vergangenen Zeit Und sprach zum klopfenden Herzen: Heut' macht sie Glück, denn leicht und laut Trägt sie im Haargeflechte Als Schmuck für eine lust'ge Stund' Den Schlummer meiner Nächte.Hans von Hopfen (1835 - 1904), Ritter Hans Demetrius von Hopfen, geb. Hans Mayer, deutscher Schriftsteller