weisegedanken
Gedicht

Juli

Helene Krüger

Brütend über Ährenfeldern liegt der Sonne goldner Glast, Und am kühlen Weiher träumend Hält die sieb'nte Schwester Rast. Sinnend blicken ihre Augen In die unbewegte Flut, Mit dem Fächer kühlt sie leise Ihrer Wangen heiße Glut. Leer sind ihre schlanken Hände, All ihr Reichtum ausgestreut, Und sie harrt des Erntesegens Den das Jahr der Menschheit beut. Auf den Wiesen klingt die Sichel, Aller Blumen Pracht vergeht, Wenn Natur mit ihren Früchten Auf dem Höhepunkte steht. Ruhvoll reift das Gold der Felder, Mutter Erdes größter Schatz; Und der Juli macht der Schwester Mit der blanken Sichel Platz.Helene Krüger (1861 - um 1940), deutsche Dichterin