weisegedanken
Gedicht

Juli-Schwermut

Stefan George

(An Ernest Dowson) Blumen des sommers duftet ihr noch so reich: Ackerwinde im herben saatgeruch Du ziehst mich nach am dorrenden geländer Mir war der stolzen gärten sesam fremd. Aus dem vergessen lockst du träume: das kind Auf keuscher scholle ratend des ährengefilds In ernte-gluten neben nackten schnittern Bei blanker sichel und versiegtem krug. Schläfrig schaukelten wespen im mittagslied Und ihm träufelten auf die gerötete stirn Durch schwachen schutz der halme-schatten Des mohnes blätter: breite tropfen blut. Nichts was mir je war raubt die vergänglichkeit. Schmachtend wie damals lieg ich in schmachtender flur Aus mattem munde murmelt es: wie bin ich Der blumen müd – der schönen blumen müd.Stefan George (1868 - 1933), Stefan Anton George, deutscher Dichter und Mittelpunkt eines Kreises von Anhängern (George-Kreis)