weisegedanken
Gedicht

Juninacht

Theobald Nöthig

Sterne künden die Nacht. Glänzend wie Schwanengefieder senkt sie zur Erde sich nieder. Liebchen habe nun acht! Rings wie Nebel empor heben sich Zaubergestalten. Nymphen jetzt Zwiegespräch halten, zärtlich seufzend im Rohr. Oberon ruft zum Tanz; Elfen umfangen sich lüstern. Horch, in den Zweigen das Flüstern! Sieh, im Grase der Glanz! Mohn blüht feurig im Korn, wo sie im Reigen sich drehen. Schleier wie Spinngeweb weben früh an Distel und Dorn. Tauiger Hauch küßt wach blühende Rosen und Reben, läßt ihren Wohlgeruch schweben, bräutlich dir ins Gemach. Küsse, küsse auch mich! Liebchen, es bangt meine Seele, daß mir der Geisterfürst stehle als Titania dich.Theobald Nöthig (1841 - 1900), deutscher Dichter, Brieffreund Detlev von Liliencrons