weisegedanken
Gedicht

Kindliches Gefühl

Karl Immermann

Drei Sterne weiß ich, welche Licht Den letzten Nächten spenden; Sie leuchten still, sie prahlen nicht, Es ist kein eitel Blenden. Das Dunkel lastet tief und schwer, Was lindert deine Scheue? Die Sonn' erlosch, doch nimmermehr Der Stern der Muttertreue. Am Abgrund irrst du, siehst ihn nicht In Finsterniß verborgen; Wer zeigt ihn dir? Aus Wolken bricht Der Stern der Muttersorgen. Wenn alle Welt den Armen läßt Und wenn kein Herz ihm bliebe, Am ew'gen Himmel stehst du fest Stern heil'ger Mutterliebe! O Mutterliebe, Sorg' und Treu'! Nie ausgeschöpfte Güte! Und immer alt, und immer neu, Daß dich die Allmacht hüte!Karl Immermann (1796 - 1840), Karl Leberecht Immermann, deutscher Landgerichtsrat, Dramatiker und Romanautor