weisegedanken
Gedicht

Maimond

Max Dauthendey

Maimond schwebt über dem Fluß Und liegt mir glatt vor dem Fuß. Das Wasser rückt nicht von der Stelle Und lugt nur hinauf in die Helle. Ich schau übers Flußbett hinüber – Ein Lied schlägt die Brücke herüber. Es lacht eine Nachtigall Eine Brücke aus Freude und Schall. Es regt sich der Nachtwind im Laub – Es fiel ein Gedanke zum Staub – Maimond aus vergangenen Jahren Liegt streichelnd auf alternden Haaren. Maimond zog mich hin mit Verzücken Sacht über die singende Brücken, Und jünger wurde mein Gang, Solange die Nachtigall sang.Max Dauthendey (1867 - 1918), deutscher Dichter und Maler