weisegedanken
Gedicht

Meiner Mutter

Karl Henckell

Mutter, aus der Ferne eilst du, Deinen Sohn zu sehen, Ach, die kranke Seele heilst du, Linderst ihre Wehen. Bin zermartert, bin zerschlagen Wie im Sturm die Eiche, Doch bei dir vergeht mein Klagen, Gute, Milde, Weiche. Wer der Zeit Meduse schaute Schon mit jungen Jahren, Wem's in Höllenschlünden graute, Früh hinabgefahren: Laßt ihn in die treuen Augen Seiner Mutter blicken, Reine Wonne wird er saugen Und sich tief erquicken.Karl Henckell (1864 - 1929), Karl Friedrich Henckell, deutscher Lyriker und Schriftsteller, Sozialrevolutionär und Vorkämpfer des Naturalismus