weisegedanken
Gedicht

Neujahrsgruß

Hermann Lingg

Das Jahr mit seinen Frühlingsblicken Und Tagen voller Sonnenschein Entflog zu neuen Weltgeschicken, Um auch in Zukunft noch zu sein. Verloren geht ja nichts den Jahren, Wie nichts im All verloren geht, Die Wirkung alles Guten, Wahren In Wort und Thaten fortbesteht. Und wie die Jahreszeiten wandeln, Und wie die stillen Blumen blühn, Die Geisteshelden schaffen, handeln Und in der Tiefe Herzen glühn. Die Schöpfungskraft in stetem Werden Gebärt sich neu und ewig jung, Trägt alle Lebenslust auf Erden Aus ihres Schoßes Dämmerung. Genährt von ihrem ew'gen Bronnen Begrüßen wir im Morgenlicht, Den neuen Kreis im Kreis der Sonnen, Mit hoffnungsfroher Zuversicht.Hermann Lingg (1820 - 1905), seit 1890 Ritter von Lingg, deutscher Dichter, Mitglied des Münchener Dichterkreises »Die Krokodile«, verfasste u. a. das Epos »Die Völkerwanderung«