weisegedanken
Gedicht

Zum Geburtstage der Frau Griesbach

Friedrich von Schiller

Mach auf, Frau Griesbach! Ich bin da Und klopf' an deine Türe. Mich schickt Papa und die Mama, Daß ich dir gratuliere. Ich bringe nichts als ein Gedicht Zu deines Tages Feier, Denn alles, wie die Mutter spricht, Ist so entsetzlich teuer. Sag selbst, was ich dir wünschen soll, Ich weiß nichts zu erdenken. Du hast ja Küch' und Keller voll, Nichts fehlt in deinen Schränken. Es wachsen dir fast auf den Tisch Die Spargeln und die Schoten, Die Stachelbeeren blühen frisch Und so die Reineclauden. Bei Stachelbeeren fällt mir ein: Die schmecken gar zu süße, Und wenn sie werden zeitig sein, So sorge, daß ich's wisse. Viel fette Schweine mästest du Und gibst den Hühnern Futter. Die Kuh im Stalle ruft muh, muh! Und gibt dir Milch und Butter. Es haben alle dich so gern, Die Alten und die Jungen, Und deinem lieben, braven Herrn Ist alles wohl gelungen. Du bist wohlauf, Gott Lob und Dank! Mußt's auch fein immer bleiben; Du, höre, werde ja nicht krank, Daß sie dir nichts verschreiben. Nun lebe wohl! ich sag Ade. Gelt, ich war heut bescheiden? Doch könntest du mir, eh ich geh 'ne Butterbemme schneiden.Friedrich von Schiller (1759 - 1805), Johann Christoph Friedrich Schiller, ab 1802 von Schiller, deutscher Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker; gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker und Lyriker