Sehnsucht
Der bleiche Heinrich ging vorbei, Schön Hedwig lag am Fenster. Sie sprach halblaut: »Gott steh' mir bei, Der unten schaut bleich wie Gespenster!« Der unten erhub sein Aug' in die Höh', Hinschmachten …
Die Fensterschau — Heinrich Heine „mein Los in Liebe und Haß; Glück und Schmerz, zu erleiden das vollgerüttelte Maß. Sub luna morior. Dunkel ist meine Gruft. Gib mich der Scholle hin oder zerstäub mich in Luft: drei Schaufeln Erde, e …
Ich teile gerne — Erik Axel Karlfeldt „Der Wald so blass. Im ganzen Hain ist Ein Flüstern, das Vom Laubdach tönte: O Vielersehnte! Im tiefen Teiche Bespiegeln lind Sich schwarze Sträuche, Es weint der Wind In Weidenbäumen . . . Zeit ist …
Vom Mondenschein ist — Paul Verlaine „Was durch meine Träume zieht, Unsichtbar, wie Blumenduft, Leise, wie ein Kindeslied? Kehrt die Jugend mir zurück, Jene Sehnsucht, die mich mied, Seit des Lebens kalte Luft Mich und meine Seele schie …
Ist es Friede, ist es Glück, — Ada Christen „Es äugt ein Wunsch aus mir nach der Uhr. Der lauscht auf Briefträgerschritte Und murmelt unaufhörlich nur Die Worte »bitte, bitte«. Sich schämend richtet sein Gebet Die Ohren nach der Klingel. Ein B …
Kammer-Kummer — Joachim Ringelnatz „Sturm, wer gab dir den Atem? Welle, wer gab dir Flügel? Und du Vöglein droben im schimmernden Blau, Wer rief dich über die Hügel? Ich weiß, ach ich weiß … Es geht eine alte Melodie, Die war mit der …
Sehnsucht — Anna Ritter „baut sich ein Schloss. Spiegelnde Seen, selige Wiesen, singende Brunnen aus tiefstem Smaragd! In seinen schimmernden Hallen wohnen die alten Götter. Noch immer, abends, wenn die Sonne purpurn sinkt, …
Aus weissen Wolken — Arno Holz „Gieb mir meine Seele wieder, Du, der sie gefesselt hält Am gebrochenen Gefieder, Einsam, still in deiner Welt. Gieb mir die Gedanken wieder, Die sich ewig zu dir wenden, Ohn' zu ruhen, ohn' zu enden …
Der Verlust — Ida Hahn-Hahn „Als mein Auge sie fand Und mein Herz sie erkannt, O, wie glühte die Brust Von Entzücken, von Lust! Wie voll Düfte die Au', Und der Himmel, wie blau! Und der Wald voll Gesang, Und die Lüfte voll Klan …
Sehnsucht — Joseph Christian von Zedlitz „Nun bist du, Seele, wieder deinem Traum Und deiner Sehnsucht selig hingegeben. In holdem Feuer glühend fühlst du kaum, Daß Schatten alle Bilder sind, die um dich leben. Denn nächtelang war deine Kam …
Betörung — Ernst Stadler „Das Leben ist kurz, der Tag ist lang. Und immer sehnt sich fort das Herz, Ich weiß nicht recht, ob himmelwärts; Fort aber will es hin und hin Und möchte vor sich selber fliehn. Und fliegt es an der …
Was wird mir jede Stunde so bang? – — Johann Wolfgang von Goethe „Was nah erst war und mein. Vergebliches die arme spannen Nach dem was nur mehr schein. Dies heilungslose sich betäuben Mit eitlem nein und kein Die unbegründet sich sträuben Dies unabwendbar-sein. B …
Dies leid und diese last: zu bannen — Stefan George „Wäre ich jetzt bei dir, bewachte deinen Schlaf und hielte alle bösen Träume von dir fern. Wie gern Legte ich jetzt die Hand auf deine Stir …
Wie gern — Regina Meier zu Verl · Auszug „Oft denk ich: wenn du bei mir wärest Und meiner Sehnsucht wilde Flut Sich in dein liebes Herz ergösse, Dann wäre Alles, Alles gut! Und schüttle dann die Stirne leise Und weiß – es bliebe doch ein Re …
Ein Letztes — Anna Ritter „Es hat ein Traum mich berückt; Wie hätt' er doch unter Allen Mich Arme erhöht und beglückt? Mir war's, er habe gesprochen: Ich bin auf ewig dein – Mir war's – ich träume noch immer Es kann ja nimmer …
Ich kann’s nicht fassen, nicht glauben, — Adelbert von Chamisso „Du hungerst nach Glück, Eva, und fürchtest dich den Apfel zu pflücken, den dein Gott dir verboten hat vor dreitausend Jahren, du junges Geschöpf! Jeden Abend seh ich dich, wie du die magern Händchen …
Gottes Wille — Richard Dehmel „Sanfte Zärtlichkeit schwingt in der Luft wie Musik. In Gedanken fasse ich nach Deiner Hand, finde sie aber nicht. Ich kuschle mich an Dich …
Sehnsucht — Ann Theres Dell · Auszug „Nun rieseln weiße Flocken unsre Schritte ein. Der Weidenstrich läßt fröstelnd letzte Farben sinken, Das Dunkel steigt vom Fluß, um den versprengte Lichter blinken, Mit Schnee und bleicher Stille weh …
Gang im Schnee — Ernst Stadler „Will's so der Brauch, Daß du's an Schönheit bist, Seh' ich wohl auch; Magst's auch an Güte sein, Gib und gewähr! Nur nicht an Heiligkeit Bitt' ich gar sehr. Siehst du der Saaten Wallenden Streif? Bl …
Wenn man dich Engel nennt, — Franz Grillparzer „Die Sonne geht unter, ich spaziere am Strand, der Westwind weht munter, über Wasser und Land. Eine Möwe kreischt schrill, fliegt direkt au …
Mein Wunschkartenhaus — Horst Rehmann · Auszug „Seltsam, Du warst so nah, ich hätte nur nach Deiner Hand greifen müssen. Warum nur, habe ich es nicht gewagt... Einmal Deinen Arm berühren …
Unendlich — Ann Theres Dell · Auszug „Am alten Gemäuer das Treppchen hinan – Nun, Märchendämmrung, nimm mich auf! Es rauscht die Linde, Es blinkt der Teich, Und Abendwinde Rühren so weich Mich an ... Hier hat wohl Manche Aus Lust und St …
Auf der alten Stadtmauer — Anna Ritter „Ich weiß es wohl, und daß mein Lenz entschwand; Doch sehn' ich mich nach einem treuen Auge, Doch sehn' ich mich nach einer weißen Hand. Nach einem Auge, das mit hellerm Scheine Aufleuchte, wenn mein …
Daß holde Jugend nur zur Liebe tauge, — Emanuel Geibel „Erst wollte ich mich dir in Keuschheit nahn. Die Kette schmolz. Ich bin doch schließlich, schließlich auch ein Mann, und nicht von Holz. Der Mai ist da. Der Vogel Pirol pfeift. Es geht was um. Und w …
Sehnsucht nach der Sehnsucht — Kurt Tucholsky „mit dir flüchten vor dem Hochmut dieser Welt weg von Peinigungen Schmerzen in ein Reich voll Frieden Trost© Hans-Christoph Neuert (1958 - …
Manchmal möcht ich — Hans-Christoph Neuert · Auszug „Wo bist du itzt, mein unvergeßlich Mädchen? Wo singst du itzt? Wo lacht die Flur, wo triumphiert ein Städtchen, Das dich besitzt? Seit du entfernt, will keine Sonne scheinen, Und es vereint, Der Him …
Wo bist du itzt? — Jakob Michael Reinhold Lenz „lag in deinen Augen zaghaft wie eine Bitte du bist das Lächeln geblieben zaghaft mit einer Bitte© Anke Maggauer-Kirsche (*1948), deutsche …
ein Lächeln — Anke Maggauer-Kirsche · Auszug „Brausend zieht der Sturm vorüber. Schwarz umhüllt der Himmel sich. Stürme draußen, Kampf im Innern – Mutter, Mutter, hörst du mich? Fühlst du dort, wie all mein Fühlen Rastlos zu dir aufwärts strebt …
Sehnsucht. — E. Marlitt „Weit – weit – hart an der Ewigkeit, über den Zeiten, ganz hinter Mitternacht, wo schauernd schreiten Füße der Geister sacht, wo gar kein Wald mehr und keine Wiese lacht, wo, dieses Lebens leer, schl …
Weißt du – wo? — Karl Ernst Knodt „zu Nebel vergehen, Zerfließen in Luft; Ich hielt' voll Erbarmen Die Welt in den Armen. So mit dem Herzen Voll Liebe und Schmerzen Verglüh' ich allein Und sinke in Flammen Und Asche zusammen.Julius M …
Könnt‘ ich verwehen, — Julius Mosen „Immer wenn der Druck zu groß der Kopf bald platzt der Lärm der Stadt mein Ohr betäubt und nachts ich schlaflos mich im Kissen wälze dann s …
Zuflucht — Regina Hesse · Auszug „Goldne Wolkenberge steigen Und wie Alpen sich erzeigen, Frag' ich oft mit Thränen: Liegt wohl zwischen jenen Mein ersehntes Ruhethal?Ludwig Uhland (1787 - 1862), deutscher Dichter, Literaturwissensc …
Wann im letzten Abendstrahl — Ludwig Uhland „Ich sehne mich den ganzen Tag Nach einer Stunde Müßiggang, Nach einem kleinen Winkelchen, Fern allem Lärm und Tagesdrang; Nach einer Stunde, da mein Herz Die schönen Worte ungestört Und alles, was d …
Sehnsucht — Frieda Port „Hab' ich der Bosheit mich ergeben. Ich lasse töten, um zu leben, Und bös macht bang. Denn niemals ruht Die Stimme in des Herzens Tiefe, Als ob es zärtlich klagend riefe: »Sei wieder gut!« Und frisch …
Schon viel zu lang — Wilhelm Busch „die Sonne scheint und ich sitz hier mit all meinen Träumen verpackt in rosa Kreppapier hab Angst dich zu versäumen ich würd wer weiß was g …
Sehnsuchtstraum — Ute Maria Seemann · Auszug „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn, Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht, Kennst du es wohl? Dahin! Dahin …
Mignon — Johann Wolfgang von Goethe „Schautest du himmelwärts – Einzelne Wolken ziehen, Kommen und entfliehen, Ewig hofft das Herz. Liebe – himmlisch Wallen Goldener Jugendzeit – Einzelne Strahlen fallen Wie durch Pfeilerhallen In das …
Sehnsucht, auf den Knieen — Julius Grosse „doch beim Schrei des Kuckucks, sehn ich mich nach KyotoBashô (1643 - 1694), eigentlich Matsuo Munefusa, japanischer Dichter
In Kyoto bin ich, — Bashô „O Sehnsucht, wilder Falke mein, Willst du auch müde werden? Dess' Heimat hoch im Blauen war, Behagt's dir nun auf Erden? Wie oft hast du den jungen Sinn Aus diesen grauen Tagen Hoch über Sorge, Not …
Mein Falke — Anna Ritter „Zwei Tage bist du erst fort von hier und in zwei Tagen kommst du wieder – ich sollte es doch eigentlich überstehn daß wir uns vier Tage la …
Mir ist so, als hätt‘ ich mich danach gesehnt … — Jörn Pfennig · Auszug