Erinnerung
Erinnerung ist die Kunst, das Vergangene gegenwärtig zu halten – und zugleich das leise Wissen, dass es sich dabei verwandelt. Für Jean Paul war sie das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können; andere Denker fragten schon seit Aristoteles, wie treu das Gedächtnis überhaupt sein kann. Die hier versammelten Worte spannen sich zwischen Wehmut und Trost, zwischen dem Festhalten und dem Loslassen. Sie zeigen, wie sehr das, was wir waren, bestimmt, wer wir sind.
Über Erinnerung
Erinnerung ist die Fähigkeit des Menschen, Vergangenes gegenwärtig zu halten. Sie ist das Gewebe, aus dem Identität entsteht: Wer wir sind, wissen wir nur, weil wir uns erinnern. Doch die Erinnerung bewahrt nicht neutral – sie wählt aus, verklärt, färbt. Sie kann Trost sein und Wunde zugleich, ein warmes Nachleben glücklicher Stunden ebenso wie der Schmerz über das Verlorene. In diesem Zwiespalt liegt ihre besondere Kraft und ihre leise Melancholie.
Die Dichter und Denker haben dieses Doppelgesicht immer wieder umkreist. Novalis nannte die Erinnerung den sichersten Grund der Liebe und gab ihr damit einen zärtlichen, verbindenden Sinn. Jean Paul betrachtete das Erinnern als eigene geistige Arbeit, Goethe verknüpfte es mit Dankbarkeit und Hoffnung, Friedrich Hölderlin beschwor die „trauten Erinnerungen" seliger Zeit. Bei Arthur Schnitzler und Friedrich Hebbel wiederum tritt das Uneindeutige, Brüchige des Gedächtnisses hervor – wie Erinnerung tröstet und zugleich verwundet. So wird das Thema zu einer Betrachtung über Zeit, Verlust und das, was bleibt.
Auf dieser Seite finden Sie Zitate, Sprüche und Gedichte über die Erinnerung – von der Romantik bis zur Moderne, von deutschsprachigen Klassikern bis zu Stimmen wie Emily Dickinson. Die Sammlung reicht von tröstlichen Worten des Gedenkens bis zu nachdenklichen Betrachtungen über Vergänglichkeit. Jedes Zitat ist seinem Urheber zugeordnet, viele mit einer kurzen Deutung. So wird spürbar, warum die Erinnerung seit jeher als Hüterin des Geliebten und Verlorenen gilt.