weisegedanken
Zitate zum Nachdenken

Sommer

Der Sommer ist die Zeit der Fülle – lange Tage, reifes Licht und die Ahnung, dass alles gerade auf seinem Höhepunkt steht. Heinrich Heine besang seinen Zauber, moderne Aphoristiker wie Ernst Ferstl fangen seine Leichtigkeit in wenigen Zeilen. Zwischen unbeschwerter Lebenslust und der leisen Wehmut, dass auch dieser Glanz vergeht, bewegen sich die folgenden Zitate. Sie laden ein, die warme Jahreszeit nicht nur zu genießen, sondern für einen Augenblick auch über sie nachzudenken.

Ausgewählte Zitate
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Der Sommer macht den Menschen zum Träumer.

Paul Keller Keller, P., Gedichte und Gedanken, 19330 ✓ Quelle geprüft
DeutungIm Sommer, so Keller schlicht, wird der Mensch zum Träumer. Wärme und Fülle lösen die Anspannung des Alltags und laden die Seele ein, ohne Ziel und Eile umherzuschweifen.
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Die gefährlichsten Sommer sind die fruchtbarsten.

Deutsches Sprichwort Simrock (Hg.), Die deutschen Sprichwörter (= Die deutschen Volksbücher, Bd. 5), 18460 ✓ Quelle geprüft
DeutungGerade die bedrohlichen, gewitterschweren Sommer bringen, so die Bauernregel, den reichsten Ertrag. Fülle und Gefahr gehören zusammen: Wo es am heftigsten wettert, wächst am Ende oft am meisten.
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Die Ähren schaukeln in der Hängematte der wärmenden Sonne.

Ernst Ferstl Ferstl, Am Ufer des Augenblicks. Kurzgedichte, Anna Pichler Verlag 19940 ✓ Quelle geprüft
DeutungIn diesem Kurzbild wiegen sich die Ähren wie in einer Hängematte aus Sonnenwärme. Ferstl verwandelt das reifende Feld in ein Sinnbild sommerlicher Behaglichkeit, in dem selbst die Arbeit der Natur wie Ruhe aussieht.
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Die Sonne brütet im Nest der Sommertage gelbe Ähren aus.

Ernst Ferstl Ferstl, Am Ufer des Augenblicks. Kurzgedichte, Anna Pichler Verlag 19940 ✓ Quelle geprüft
DeutungDie Sonne wird zur brütenden Henne, die im Nest der Sommertage die goldenen Ähren ausbrütet. Das Reifen des Korns erscheint als ein zärtlicher, geduldiger Vorgang, dem die Natur ihre Wärme leiht.

Über Sommer

„Sommer” bedeutet im Deutschen weit mehr als eine Jahreszeit: Er steht für Reife und Fülle, für lange Tage, warmes Licht und jene Leichtigkeit, die das Leben für ein paar Wochen unbeschwert erscheinen lässt. Zugleich schwingt in vielen Betrachtungen ein leiser Unterton mit – der Sommer ist der Höhepunkt des Jahres und damit schon der Wendepunkt, nach dem die Tage wieder kürzer werden. Aus dieser Spannung zwischen Genuss und Vergänglichkeit bezieht das Thema seine besondere Wärme und Wehmut.

Die Sammlung ist überschaubar und ausgesprochen poetisch geprägt. Johann Wolfgang von Goethe fängt die schwellende Fülle reifender Felder ein, während Heinrich Heine dem deutschen Sommer mit feinem Spott begegnet. Bei Victor Hugo klingt das Vergehen der Sommerzeit an, Paul Keller nennt den Sommer einen Verführer zum Träumen, und Cäsar Flaischlen wie Wilhelm Müller verleihen der Jahreszeit lyrische Stimmen. Aus der Ferne der japanischen Dichtung tritt Bashô hinzu, aus der Antike die Fabel Aesops – Namen, die zeigen, wie universell und zugleich zart dieses Motiv ist.

Wer hier liest, findet keine große Masse, sondern eine sorgfältige, stimmungsvolle Auswahl: Verse und Gedanken, die von der Antike bis in die Moderne reichen und sich besonders für Sommergrüße, Urlaubskarten oder stille Stunden im Garten eignen. Der Bogen spannt sich von der lehrhaften Fabel über klassische Naturlyrik bis zu den ironischen Randbemerkungen des 19. Jahrhunderts.